Tiffany Pham ist Mogulin mit Mission und baut an ihrem eigenen Medienimperium

Mit 27 war Tiffany Pham im Vorstand eines TV-Senders. Heute vernetzt sie auf onmogul.com junge, ehrgeizige Frauen. Und baut an ihrem eigenen Medienimperium.

Man sagt, die besten Erfindungen lösen ganz konkrete Probleme. Idealerweise die Probleme der Erfinder selbst. Tiffany Pham zum Beispiel hatte vor rund zwei Jahren ein sehr, sehr konkretes Problem: Hunderte E-Mails von jungen Frauen in ihrem Posteingang. Ehrgeizige Frauen, die von ihr wissen wollten, wie man Karriere macht. Wie man Kontakte knüpft, ein Netzwerk aufbaut, ein höheres Gehalt einfordert und sich nicht abwimmeln lässt.

Dass diese vielen jungen Frauen damals gerade Pham mit ihren Karrierefragen behelligten, überrascht nicht. Die New Yorkerin war zwar erst 27, aber bereits Absolventin der Harvard Business School, hatte Jobs bei Universal Pictures, der BBC und HBO hinter sich, war Director of Business Development, Strategic Initiatives and Partnerships bei CBS, einem der größten Rundfunk- und Fernsehnetzwerke der USA. Sie ist prämierte Filmemacherin, Autorin eines BWL-Sachbuchs, ausgezeichnete Branchenhoffnung der „30 under 30“ von „Forbes“, Gründerin eines Drehbuchwettbewerbs in Peking, wurde vom „Business Insider“ zu den „30 Most Important Women under 30 in Tech“ gezählt. Für „Forbes“ schrieb Pham außerdem eine Porträtserie mit dem Titel „How She Did It“, in der sie die Erfolgsgeschichten von Unternehmerinnen, Designerinnen und Journalistinnen nachzeichnete. Kurzum: ein Lebenslauf wie aus mehreren zusammengecopypastet. Nur wie sollte sie ihr auf diesem steilen Weg angehäuftes Wissen sinnvoll weitergeben?

„Am Anfang habe ich wirklich jede Mail einzeln beantwortet“, sagt Pham heute und schüttelt lachend den Kopf. „Es waren immer dieselben Fragen, also habe ich jedes Mal wieder meine Liste mit hilfreichen Quellen, wichtigen Artikeln und Tipps geschickt. Dann hatte ich den Gedanken: Wie wäre es, wenn ich eine Plattform für all diesen jungen, ehrgeizigen Frauen schaffen würde, auf der wir uns alle austauschen könnten?“

Audrey Froggatt Photography
Tiffany Pham


Torte statt Kuchen

Pham überlegte, wie diese Plattform aussehen könnte. Ein Blog? Nicht groß genug für Phams ambitionierte Pläne. Reddit? Toll, aber ein reiner Bro-Spielplatz. Wikipedia? Dito, fast 91 Prozent männliche Autoren. Natürlich hätte Pham versuchen können, diese Männerdomänen zu knacken. Aber sie wollte kein Stück vom Kuchen. Sondern ihre eigene Torte.

Ohne Plan oder Ahnung von Programmierung, Design und Technik, aber auch frei von Angst, machte Pham sich an die Arbeit. Nachdem sie tagsüber ihren Hauptjob bei CBS hinter sich gebracht und am Abend ihre Aufgaben bei der Filmproduktion erledigt hatte, setzte sie sich nachts um drei an ihren Küchentisch, brachte sich selbst die Programmiersprache Ruby on Rails bei, nutzte allerlei mäßig programmierte Plug-ins und Funktionen, die sie im Netz fand, und designte die Plattform, die ihr gefehlt hatte, einfach selbst: Mogul.

Nach einigen Wochen stand eine erste Version, schlicht, aber funktionsfähig: Beiträge schreiben, Up-vote, Downvote, Kontakt. Ein, zwei Jahre würde es wohl dauern, bis aus dem rudimentären Netzwerk für Frauen so etwas wie ein richtiger Job werden würde, hatte Pham geschätzt. Dann ging Mogul ins Netz. Schon in der ersten Woche erreichte die Site über eine Million Nutzer. Jenseits aller Erwartungen, aber auch viel zu viel, totaler Irrsinn. All die Frauen, die ihr geschrieben hatten, wollten Teil von Mogul werden. Sie teilten die Inhalte der Seite wie verrückt. Mehrmals brach Onmogul.com unter dem Ansturm zusammen, während Pham von Fragen der Nutzer, der Presse und interessierter Autorinnen aus aller Welt überrollt wurde.

„Das war die größte Herausforderung: die Infrastruktur schnell genug zu skalieren, damit wir das irrsinnige Wachstum überhaupt in den Griff kriegen konnten“, sagt Pham. „Ich hatte ehrlich gedacht, dass ich alleine das Mogul-Team sein und die Seite von meinem Schlafzimmer in New York aus betreiben würde.“ Dieser Plan war schon mal aufs Schönste gescheitert. Pham brauchte ein Team. Schnell. Und das war ein Problem.

Man muss dazu wissen, dass Tiffany Pham immer eine Einzelkämpferin gewesen ist. Mit elf kam sie mit ihren Eltern und ihrer Großmutter aus Vietnam nach Texas, ohne ein Wort Englisch zu beherrschen. Das brachte sie sich mithilfe der TV-Serie „Friends“ selbst bei, stürzte sich ins amerikanische Schulsystem und hatte wenige Jahre später Zulassungen zu den besten Colleges des Landes im Briefkasten. Und fast die ganze Zeit trug sie diesen Plan mit sich herum: die Medienlandschaft zu demokratisieren.

„Ich hatte die Idee für so etwas wie Mogul schon mit 14 Jahren“, sagt Pham. „Das kommt von meiner Oma.“ Phams Großmutter, die eben starb, als Pham 14 war, hatte in Vietnam und quer durch Südostasien für antikommunistische Zeitungen gearbeitet. „Ich denke noch heute jeden Tag an sie“, sagt Pham. „Ihre Mission fortzuführen ist mein Ziel.“ Mogul ist ihr bislang wichtigster Schritt auf diesem Weg. Einem Weg voller Steine. „Wenn ich etwas gelernt habe, dann nach vorne zu stolpern“, sagt Pham. Einfach mal zu machen und dann zu schauen, was man verbessern muss. „Fail forward ist für mich ein Mantra geworden.“

 


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