Pragmatisch, experimentell, sozial-ökologisch: Wie Berufsanfänger*innen sparen

Gleichwohl übernehmen die Jüngeren viele Spargewohnheiten von den Älteren – das Eltern- haus ist einer von drei Hauptfaktoren, die unseren Umgang mit Geld beeinflussen. Wer oft hört, dass Sparen eine Tugend ist, wird Geld langfristig positiver sehen als jemand, dem erzählt wurde, dass Geld nicht glücklich macht. Aufsteigereltern vermitteln gerne, dass Geld ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Die einen Familien verwöhnen ihre Kinder gerne, andere knausern lieber. Nichts davon ist per se gut oder schlecht, man sollte nur wissen, dass der Nachwuchs solche Rollen oft imitiert – und dass Eltern ihre Kinder mittels Taschengeld und vorgelebtem Konsum mehr im Ausgeben trainieren als im Anlegen. So bildet sich im Elternhaus unsere „finanzielle Komfortzone“ heraus, wie es der US-Finanzpsychologe Brad Klontz ausdrückt: die Geldumgebung, in der wir uns zeitlebens am wohlsten fühlen.

Wie wir Finanzen handhaben? Persönlichkeitsabhängig!

Von solchen Prägungen kann man sich natürlich befreien: Unsere Persönlichkeit bestimmt als zweiter Faktor, wie wir Finanzen handhaben. Forscher sprechen von der Neurologik des Geldes: Manche Hirne reagieren auf stimulierende Reize wie Aufregung, Sicherheitssparer wünschen sich Kontrolle, dominante Typen wollen den Markt überflügeln. Passend zu diesen Persönlichkeitsmerkmalen wählen wir unsere Freunde aus, die als dritter Faktor das Sparverhalten bestimmen – denn stärker als vom Einkommen hängt unser Umgang mit Geld vom Milieu ab, dessen Werte und Überzeugungen wir teilen.

Wer jung ist, spart meist für kurzfristige Konsumziele, die wenigsten denken mit 20 an Altersvorsorge. Aber wer sich schon mit dem Kurzfristsparen schwertut, bildet auch keine langfristigeren Rücklagen. Laut der Metallrente-Studie befürchten 68 Prozent der Jüngeren: „Im Alter werde ich wohl arm sein.“ Tatsächlich, so rechnen Berater vor, können Empfänger heutiger Durchschnittseinkommen mit nur etwa 700 Euro Monatsrente rechnen. „Die Notwendigkeit vorzusorgen ist groß wie nie“, sagt Christian Traxler, Ökonom der Hertie School of Governance und Co-Autor der Metallrente-Studie. „Die Jüngeren müssen mehr sparen, weil sie nicht mehr so vom Rentensystem profitieren werden wie ihre Eltern.“

„Bevor ich mein Geld in Aktien stecke, kann ich ja gleich ins Casino gehen“

Die Hälfte der Nichtsparer glaubt hingegen, für eine auskömmliche Rente sei der Staat zuständig. Aus Traxlers Sicht ist das keine Verantwortungsscheu, sondern ein Hilferuf. „Es überfordert die Jungen, dass sie sich in einer Phase, in der so viel in ihrem Leben passiert, auch noch aktiv um die Vorsorge kümmern sollen.“ Das belege auch die hohe Zustimmungsquote zur automatischen Altersvorsorge über den Betrieb, bei der 92 Prozent mitmachen würden, wenn es mehr überzeugende Angebote gäbe.

Wertpapiere hat dagegen nur gut jeder vierte Junganleger. „Bevor ich mein Geld in Aktien stecke, kann ich ja gleich ins Casino gehen“, bekommt der freie Finanzberater Tobias Bierl oft von jungen Kunden zu hören, deren Eltern kurz vor den Crashs von 2000 und 2008 Aktien besaßen und sie panisch verkauften. Bierl bringt als Gegenargument dann wieder Softdrinks und Knabberzeug ins Spiel – und rechnet vor, was man mit den entsprechenden Aktien trotz Crashs hätte verdienen können. Mancher Jungsparer wird dann durchaus hellhörig.

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