Als „Agentur für Lovebrands“ arbeiten David+Martin nur, wenn die Chemie stimmt

Damit wäre das gemeinsame Leitthema zweier Gründerbiografien gesetzt: Selbstständigkeit, das eigene Ding machen, lieber weiterziehen als Kompromisse eingehen, immer all-in, nie nur der Dienstleister sein. Legt man die Lebensläufe von Eggert und Stephan nebeneinander, dann wird klar, dass diese Freunde entweder zusammen eine Agentur aufmachen würden oder vielleicht niemals wirklich glücklich im Job werden.

Sie kennen sich seit 20 Jahren. Mit 14, 15 haben Stephan und Eggert zusammen „Counterstrike“ gezockt, ziemlich erfolgreich, und ihre Wochenenden auf Lan-Partys verbracht. Auch danach hielten die beiden Kontakt. Doch zunächst nahmen ihre Lebenswege unterschiedliche Abzweigungen.

Eggert verpflichtete sich nach der Realschule für acht Jahre bei der Bundeswehr, machte dort eine Ausbildung als IT-Systemelektroniker. Danach Vollzeit und einmal quer durch die norddeutsche Standortprovinz: „Stralsund, Plön, Rostock, Lingen, Delmenhorst, Hannover und immer mega-gelangweilt“, sagt Eggert. Also suchte er sich einen Nebenjob, den er – Internet, viel Zeit, wenig Kontrolle – gut in seinen Arbeitstag integrieren konnte, und machte für die Partybilderwebsite „Virtual Nights“ die Redaktion, heuerte Fotografen an, verkaufte Werbebanner. So entstand ein Netzwerk in der Spirituosenbranche, das sein Ticket für die Zeit nach der Bundeswehr werden sollte.

Stephan, Sohn eines Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“ und einer Kunstlehrerin, machte sein Abitur und studierte dann Kommunikationsdesign. Nicht immer mit größtem Eifer, aber letztlich doch zu Ende. Seine Vergangenheit als Gamer brachte ihn Anfang 2006 vor die Kameras des TV-Senders „Giga“. Ein Job, keine Karriereoption. „Mein Ziel war nicht, Fernsehmoderator zu werden“, sagt Stephan. Er wollte Kommunikation machen.

Währenddessen saß Eggert die Zeit ab. Direkt nach seinem letzten Tag beim Bund startete er bei Campari. Nach einem Dreivierteljahr im Vertrieb meinte sein Chef jedoch: „Bitte mach dich selbstständig, du bist nicht der Angestelltentyp“, erinnert sich Eggert. Erst mal folgte jedoch ein Praktikum bei der Werbeagentur Heimat, an das er wiederum über sein Netzwerk gelangt war. Ein Kumpel aus der Berliner Gastroszene hatte Anfang 2012 über Facebook jemanden gesucht, der einen Spirituosen-Workshop in der Agentur macht, die sich gerade um den Etat einer Cognacmarke bemühte. Eggert hatte Expertise, Zeit und Bock. Am Tag nach dem Workshop klingelte dann sein Telefon. Ob er Lust auf ein Praktikum in der Werbung hätte. „Ich fand Agentur immer cool“, sagt Eggert. Also: ja. Aber wieder blieb er nicht lang, „zu große Klappe und nicht systemkonform“, sagt Eggert. Anschließend bei Häberlein und Mauerer in Berlin dasselbe Spiel. Auch der Wechsel auf die Herstellerseite zu Jägermeister funktionierte nur für ein halbes Jahr. Schließlich geht er nach München, freelancen.

Stephan hatte es nach einem Gastspiel im Sportjournalismus nach Wien verschlagen, wieder Werbung, wo „der komische Bayer aus München“ jedoch nie so richtig Fuß fasste. Auch im nächsten Job als Art-Director wurde er nicht glücklich. Besser klappte es in der Agentur, die er mitgegründet hatte, bis die sich bald in die falsche Richtung entwickelte. Als dann noch eine private Trennung dazukam, war es Zeit heimzukehren. Stephan packte seine Sachen und fuhr nach München.

„Cool. Ich bin in drei Wochen zurück, lass uns doch statt nur Martin David und Martin machen“

„Dann saß ich im Auto, habe Martin angerufen und gesagt: ,Ich brauche deine Couch‘“, erinnert sich Stephan. Und einen Job brauchte er natürlich auch. Eggert, der gerade in New York war, wo er selbst überlegte, wie es für ihn weitergehen sollte, kam der Anruf gerade recht. „Cool. Ich bin in drei Wochen zurück, lass uns doch statt nur Martin David und Martin machen“, habe er dem Freund damals vorgeschlagen. Klang nach einem Plan.

Im Anschluss googelte Eggert „GmbH-Gründung“, lud sich eine AGB-Vorlage runter und machte einen Notartermin aus. Direkt nach der Rückkehr nach München wurde zum 1. Juli 2015 die Davidmartin GmbH gegründet. „Ohne Projekt, ohne Kunden, ohne alles. Einfach nur: Wir wollen das so machen, wie wir es gut finden“, sagt Eggert. Sie machten dann erst einmal in einem 15-Quadratmeter-Büro Werbung für Scheibenkäse, und Stephan wohnte drei Monate lang auf der Couch.

Doch die Ambitionen der beiden waren vom ersten Tag an riesig. Sie wollten keine schnöde Agentur sein, die von Etat zu Etat hechelt, sondern eine Plattform bauen. Im Kern eine Kreativ-agentur, die sich aber über Investments in andere Businesses und den anschließenden Verkauf von Kreativleistungen an diese Nebengeschäfte selbst eine solide Auftragsbasis verschafft.

„Der Gedanke, Services aus der Agentur heraus zu bedienen, war total geil“, sagt Eggert. Das ging aber zu großen Teilen schief. Etwa die Idee mit den bedruckten Chucks. Eigentlich total smart, denn sie kannten ja immer noch Leute in der Gamingszene, denen man ein cooles Merch-Produkt verkaufen konnte. Und ihre Agentur hatte Kunden, die sich für individuelle Schuhe für Promo-Events und Verlosungen interessierten dürften. Eine Druckmaschine wurde angeschafft, 1.000 Paar Chucks geordert. Aber dann waren Hundert andere Projekte wichtiger. Erst vor Kurzem konnte Eggert die übrig gebliebenen 500 Paar Chucks losschlagen.

Oder der Burger-Laden Cosmogrill, den sie aus einer Insolvenz heraus übernahmen. Tatsächlich brachte die so zur Schau gestellte Gastrokompetenz einen Auftrag zur Entwicklung eines Konzepts für einen Sekthersteller. Doch Stephan und Eggert hatten den Wareneinsatz komplett unterschätzt, verkauften den Laden letztlich wieder.

Es gab auch gute Investments. Etwa die Beteiligung an der Bar Fifty Cocktail Heroes in Berlin, die nicht nur für das Image und Kontakte gut ist, sondern auch wirtschaftlich funktioniert. Oder einen von David+Martin mit herausgegebenen Kulinarikführer, der Geld einbringt und Türen zu Gastronomen öffnet, die man als Testimonials und Experten ins Netzwerk der Agentur integriert.

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