GetYourWings-CEO Anabel Ternès: „Alleine ist man stark, zusammen noch stärker“

Nur knapp jedes siebte Startup wird von Frauen gegründet – dabei machen weiblich geführte Startups im Schnitt über 40% mehr Gewinn. Grace, ein Accelerator für Female Entrepreneurship, hat die Vision, Frauen zu empowern ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Anabel Ternès von Hattburg – CEO & Founder der gemeinnnützigen Organisation GetYourWings, die sich für einen gesunden Umgang mit Digitalem in Schulen einsetzt – ist Mentorin beim Grace Summer Camp 2019.

Frau Ternès, Sie sind erfolgreiche Unternehmerin und engagieren sich nebenbei viel als Mentorin, etwa bei Startup Teens oder im Grace Summer Camp. Warum ist Mentoring so wichtig?

Ich bin der festen Überzeugung: Alleine ist man stark, zusammen noch stärker. Man befruchtet sich gegenseitig und ist so noch erfolgreicher. Ich glaube auch, wir sind in einem Zeitalter, in dem man nicht gewinnt, wenn man neidisch auf den anderen schaut, nur das eigene Fortkommen im Blick hat und sagt „Ich teile nicht“. Wir sind in einem Zeitalter des Sharing und der Transparenz. Und auf das Gründen eines Startups bezogen: Erst wenn ich meine Geschäftsidee mit anderen bespreche, mich darüber austausche, Ideen hinterfragen lasse, kann ich sie testen und weiterentwickeln.

Was geben Sie angehenden Gründern bei Mentoring-Sessions mit auf den Weg?

Ich gebe ihnen ein ehrliches, dezidiertes Feedback und Vorschläge, wo sie sich weiterentwickeln können, aber auch Kontakte und Prozessideen. Ich sage ihnen, was sie schon gut machen, aber ich bin auch ziemlich schonungslos.

Das heißt?

Ich stelle klare Fragen, die wirklich in die Tiefe gehen. Wenn ich junge Gründerinnen und Gründer kennenlerne, sage ich: Ich könnte euch Fragen stellen, die nett sind. Aber ich stelle euch Fragen, die ans Eingemachte gehen, von denen ihr wirklich profitiert.

Wie sind die Reaktionen darauf?

Sie lassen sich darauf ein. Ich finde, wenn mich jemand als Mentorin haben möchte, ist es mein Job, demjenigen zu helfen, besser zu werden. Und das geht nur, wenn ich Stärken und Schwachstellen aufzeige. Außerdem helfe ich den Gründern, ihre USPs zu finden. Einige sind am Anfang ein bisschen selbstverliebt in ihre Idee. Sie bewegen sich in einer Art Wohlfühlwolke und möchten nicht, dass sie ihnen genommen wird. Aber irgendwann muss man ja in die reale Welt.

Haben Sie als Mentorin auch etwas von solchen Coachings?

Beim Mentoring geht es mir nicht um mein eigenes Business. Ich finde es total wichtig, junge Gründer zu unterstützen – für ein innovatives, zukunftsfähiges Deutschland. Dabei lerne ich immer wieder spannende Menschen kennen, und häufig bleiben die Kontakte. Ich finde es auch cool zu sehen, wenn sich Gründer, die ich begleitet habe, mit ihren Startups richtig gut entwickeln. Ich hatte selbst Mentorings und habe davon profitiert. Das gebe ich nun weiter.

Haben Sie zu Beginn Ihrer Karriere selbst viel Unterstützung bekommen?

Ich habe solche und solche Erfahrungen gemacht. Ich hatte Chefs, die der Ansicht waren, ich muss es mindestens genauso schwer haben wie sie, und die mir Steine in den Weg gelegt haben. Ich habe einiges an Neid und Missgunst erlebt. Aber es waren auch coole Chefs dabei, die mich gefordert und gefördert haben.

Wie ist die Mentoring-Kultur in Deutschland ganz allgemein?

Wir können dabei noch erheblich von anderen Ländern lernen. Das Grace Summer Camp ist für mich ein großartiges Beispiel, wie es geht – mit einer klaren Vision und viel persönlichem Engagement. Da können viele andere von lernen. Es gibt noch so viel Platz für tolle Programme, und ich glaube, es würde Deutschland sehr, sehr gut tun, mehr Mentoring zu haben, daraus Communities aufzubauen und nachhaltig unterstützende Verbindungen zu schaffen.

Das Interview ist im Rahmen des Grace Summer Camp entstanden, bei dem wir Medienpartner sind.


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