Die Periode aus Sicht des Mannes: Die wichtigsten Learnings von MyLily-Gründer Dennis Werner

Als erstes Startup, das sich mit dem Thema nachhaltige Hygieneprodukte für Frauen beschäftigt, konnte MyLily bereits Ende letzten Jahres eine mittlere sechsstellige Finanzierungssumme abstauben. Warum das etwas Besonderes ist? Normale Tampons bestehen aus herkömmlicher Baumwolle. Das ist an sich nicht so schlimm, würde Baumwolle nicht zu den am meisten besprühten Anbaupflanzen weltweit gehören: Bis zu 25 Mal wird die Pflanze mit Pestiziden bespritzt. Und nicht nur das ist ein Problem. Die herkömmlichen Tampons werden zudem noch mit Plastikpartikeln versetzt oder mit Plastik überzogen – und weil die Tampons keine Ausweispflicht haben, weiß man ohnehin nicht genau, was in dem kleinen Periodenprodukt alles so drin ist.

Sieben Learnings zur Periode

Und genau hier kommt MyLily ins Spiel. Das Gründerteam Heide Peuckert und Dennis Werner arbeiten mit Bio-Baumwolle, die die Global Organic Textile Standard (GOTS)-zertifiziert ist. Damit ist garantiert, dass keine Pestizide verwendet und soziale Kriterien (z.B. Kinderarbeit) beachtet wurden. Gründer Dennis, der offensichtlich kein Nutzer des eigenen Produktes ist, wird oft darauf angesprochen, wie er auf die Idee gekommen ist, ein FemTech-Startup zu gründen. Welche Learnings er aus den ersten Jahren ziehen konnte, hat er für uns zusammengeschrieben.

1. Das Tabu rund um die Periode ist wirklich groß.
Als Mann hat man ja nicht unbedingt die größten Berührungspunkte mit dem Thema. Jedoch habe ich gelernt, dass sich Frauen auch untereinander nicht genug austauschen. Zwei sehr gute Freundinnen kamen einmal angeheitert auf einer Party zu mir und meinten: „Dennis, deinetwegen haben wir uns zum ersten Mal nach zwölf Jahren Freundschaft über das Thema ausgetauscht. Wir fanden es vorher irgendwie unangenehm darüber zu sprechen.“

2. Frauen suchen einen Kanal, um über die Periode zu sprechen.
Auf jeder Party, die ich besuche, rede ich mit wildfremden Frauen über die Periode. Sei es auf einer Hochzeit oder einer WG Party. Wir kommen immer auf das Thema Periode und Periodenprodukte zu sprechen.

MyLily-Gründer Dennis Werner.

3. Wie unaufgeklärt einige Frauen im Umgang mit Periodenprodukten sind.
Einmal habe ich einen Vortrag in der Uni gehalten und eine Frau im Publikum wollte einen Tampon öffnen. Nachdem sie eine Minute an dem Tampon herumgefummelt hat, habe ich ihr die richtige Öffnungsmethode gezeigt. Diese Geschichte erscheint im ersten Moment lustig, zeigt aber die Unaufgeklärtheit einiger Frauen im Umgang mit Periodenprodukten. Einige Frauen wissen zum Beispiel auch nicht, dass es gesünder ist unterschiedlich große Tampons zu tragen.

4. Periodenprodukte werden nicht in Frage gestellt.
Es ist erstaunlich, wie wenige Frauen wissen, was in ihren Tampons drin ist, obwohl sich dieses an einer der sensibelsten Stelle ihres Körpers befindet. Eine Bekannte von mir hat zum Beispiel unsere Tampons ausprobiert und kam nach ein paar Wochen auf mich zu: „Dennis, ich finde euer Produkt super. Früher hatte ich während der letzten zwei Tage meiner Periode immer einen Juckreiz. Meine Frauenärztin erklärte mir, dass ich wohl auf das alte Produkt allergisch reagiert habe.“ Diese Story zeigt, wie krass die Situation ist. Frauen hinterfragen nicht, ob das Produkt gut ist und machen auch Komplikationen wie Juckreiz oder erhöhte Periodenschmerzen nicht an ihren Periodenprodukten fest.

5. Wie wichtig ein aufgeklärter, respektvoller Umgang mit der Periode ist, um die Gleichberechtigung voranzutreiben.
In afrikanischen Ländern können Mädchen eine Woche lang nicht in die Schule gehen, wenn sie ihre Periode haben. In Ländern, in denen es kaum Bücher gibt und man darauf angewiesen ist, dass der Lehrer einem den Stoff erklärt, ist das fatal. Diesen Lernrückstand können diese Mädchen kaum aufholen. Für mich war es schon immer megastressig, wenn ich eine Woche in der Schule gefehlt habe. Das alle 28 Tage zu haben, ist für mich unvorstellbar und würde meine Motivation auf Bildung rapide senken.

6. Junge Männer haben einen hohen Aufklärungsbedarf über die Periode – vor allem, wenn sie mit einem Mann darüber reden können.
Ich kann mich an ein Abendessen bei Freunden erinnern. Wir waren ungefähr acht Leute und viele kannte ich noch nicht, da es Freunde von meiner Freundin waren. Natürlich kam das Gespräch irgendwann darauf, was wir so machen. Nachdem raus war, dass ich Bio-Periodenprodukte verkaufe, war es megaspannend, die Leute zu beobachten und wie sie dem Thema gegenüberstehen. Zwei Mädels Anfang 20 haben sich komplett aus dem Gespräch geklinkt und eher peinlich berührt gewirkt. Zwei Männer im gleichen Alter hingegen, haben mich nur so mit Fragen gelöchert, sodass wir am Ende auf der einen Seite des Tische eine 2-3 stündige Diskussion über die Perioden hatten

7. Wie verkrampft die ältere, männliche Generation mit dem Thema Menstruation umgeht.
Wenn ich erzähle, was ich beruflich mache, gehen alle Menschen unterschiedlich mit dem Thema um. Meistens sind sie verwundert, dass ich sowas als Mann hauptberuflich mache. Man kann aber definitiv festhalten, dass ältere Herren meistens die größte Abneigung und Berührungsängste mit dem Thema haben. Daran sehe ich, dass sich doch schon etwas getan hat und wir auf einem guten Weg sind.


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