Desinfektionsmittel aus CO2 – Vodka-Startup stellt seine komplette Produktion um

Unmöglich, was Menschen alles tun, um sich mit gutem Gewissen abzuschießen. Sprit kreieren, der sich nicht nur aufs Gehirn, sondern auch noch positiv aufs Klima auswirkt, gehört zu diesen Dingen. Der Vodka, um den es hier geht, kommt aus New York, und er heißt so wie der Stoff, aus dem er gemacht ist: Air.

Der Erfinder des Schnappos, Stafford Sheehan, arbeitete eigentlich daran, synthetische Kraftstoffe durch Elektrolyse zu gewinnen – bis er merkte, dass einer der gewonnenen Stoffe Alkohol ist. (Ja, es gibt mehrere Alkoholarten.) Zu seiner Überraschung war es die Sorte, die betrunken und nicht blind macht. 

Anfangs nimmt der Alk-Alchemist immer mal ein paar Tropfen seines Stoffs mit auf Partys. Als Witz. Bis er Greg Constantine trifft, der bei einem großen Vodka-Label arbeitet und der den Witz nicht witzig findet, sondern darin ein Geschäftsmodell sieht. Es handelt sich immerhin um Schnaps, bei dessen Herstellung jedes Mal ein paar Treibhausgase aus der Atmosphäre verschwinden. 

Aus der Zielgruppe Rich Kids wurden Spenden für Gemeinden

Die beiden sind sich sicher, dass zumindest die New Yorker Rich Kids dafür Geld bezahlen würden. Also fangen sie an, den Vodka im kleinen großen Stil herzustellen. „Small Batch Destilling“ nennen die Amerikaner das. Klasse statt Masse. Da der Vodka von Air Company aus nicht mehr als Luft besteht, wirbt der Hersteller prominent damit, dass das Zeug ohne jede Verunreinigung daherkommt – kein Zucker, kein Gluten, keine Kohlenhydrate.

Jetzt haben die beiden CO2-Schnapsbrenner ihre gesamte Produktion jedoch umgestellt. Der Coronavirus hat den Bundesstaat New York besonders hart getroffen. Desinfektionsmittel ist vielerorts Mangelware. Seit Mitte März nutzen Sheehan und Constantine ihr Verfahren, um ebendieses herzustellen – immerhin besteht Desinfektionsmittel bis zu 80 Prozent aus Ethanol.

Die Flaschen werden in Zusammenarbeit mit den Behörden an Institutionen und Gemeinden gespendet. Nach der Krise kann man sich ja immer noch mit einem grünen Gewissen betrinken.


Business Punk Redaktion

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