Wieso wir unseren Lunch während der Mittagspause richtig zelebrieren sollten

Das Telefon läutet. Die Kolleg*innen brauchen Hilfe. Von den Chef*innen kommt Kritik. Kund*innen stressen. Pausenlos trudeln neue E-Mails ein. Der Arbeitsalltag im Büro kann manchmal überfordernd sein. Zu viele Leute brauchen zu viele Dinge, für deren Erledigung wir zu wenig Zeit haben. Was also tun? Es liegt auf der Hand: Zeit sparen und auf eine ausgeruhte Mittagspause verzichten oder bestenfalls nebenher einen Happen am Schreibtisch essen. So macht es zumindest etwa ein Viertel der deutschen Arbeitnehmer*innen.

Den Beweis dafür, wie traurig ein Mittagessen am Schreibtisch aussehen kann, liefert vor allem Tumblr. Unter dem Hashtag #SadDeskLunch finden sich dort Bilder von traurigen Sandwiches oder Nudelsuppen in Kaffeekannen, die Leute vor ihren Laptops und Computern essen. Auf Instagram posten unter demselben Hashtag viele Menschen hingegen Essen, dass aussieht als ob es in einem Sternerestaurant serviert werden könnte. Doch das macht es nicht besser.

Essen am Arbeitsplatz ist aus mehreren Gründen keine gute Idee. Es ist nicht nur wichtig, was wir essen, sondern auch wo und wie, erklärt Maria Schumann. Sie ist Gesundheitswissenschaftlerin und berät seit mehreren Jahren Privatpersonen und Unternehmen zu einem gesunden Umgang mit Ernährung, Bewegung, Stress und Schlaf.

Haben wir keine Zeit für eine Mittagspause, „greifen wir oft auf Lebensmittel mit vielen leeren Kalorien und wenigen Vitaminen sowie Mineralstoffen zurück“, sagt Schumann. Dadurch würden wir das Sättigungsgefühl nicht wahrnehmen und im Laufe des Tages zusätzlich öfter zu Snacks greifen.

Zum Mittag ein Toast, am Nachmittag Schokolade, Gummibären, Kekse obendrauf. Die Folge: Der Blutzucker steigt stark an und fällt dann rapide wieder ab, wir können uns schlecht konzentrieren und werden schneller müde.

Warum es gut tut, den Arbeitsplatz kurzzeitig zu verlassen

Wie wichtig eine Pause abseits des Arbeitsplatzes ist, hat aber nicht nur mit den Kalorien zu tun. Schumann empfiehlt, jede Mittagspause mit einem kurzen Spaziergang an der frischen Luft zu verbinden – auch wenn die Zeit knapp ist: „Nicht nur unser körperliches Wohlbefinden steigt, wenn wir den Arbeitsplatz mal kurz verlassen und uns bewegen, sondern auch auf mentaler Ebene haben wir so die Chance, abzuschalten und den Kopf frei zu machen“, sagt sie.

Tun wir das nicht, seien wir angespannt, gereizt und weniger leistungsfähig. Manchen würde sozialer Kontakt gut tun, manchmal brauchen wir die Ruhe für uns selbst, das bleibt jedem*r selbst überlassen. Wichtiger ist, dass wir unsere Ressourcen wieder auffüllen und mit neuer Energie zum Arbeitsplatz zurückkehren. Doch dafür müssen wir ihn erst mal verlassen.

Vorbild Frankreich

Die Auswahl des richtigen Essens sei dabei genauso wichtig, wie die Art und Weise wie wir essen. Für richtiges Essen brauchen wir Zeit. Wir sollten uns hinsetzen, in Ruhe kauen und das Essen genießen. „Hier würde ich auf eine große Portion Gemüse oder Salat mit einer leckeren Beilage und/oder einem Topping setzen – etwa Vollkornnudeln, Kartoffeln, Wildlachs oder Feta. Das findet man sowohl im Restaurant falls man rausgehen will, lässt sich aber auch leicht selbst zu Hause oder in der Büroküche machen.“

Wenn wir nach ausgewogenen Mittagspausen suchen, sollten wir laut Schumann nach Frankreich blicken. Sie bezeichnet die Französ*innen als „Weltmeister der Mittagspause“, die ihre Mittagessen richtig zelebrieren. Sie besuchen gemeinsam mit Kolleg*innen ein Restaurant, bestellen das Tagesmenü samt Vorspeise, Hauptgang, Dessert und Kaffee. „Hierfür gibt es in vielen Betrieben das Ticket Resto, eine Art Scheck für Restaurants, mit dem ein Großteil des Mittagessens bezahlt wird“, sagt die Expertin. Anders sieht es in Kanada aus. Dort wird oft abends noch warm gekocht und zum Mittag essen Büroangestellte oft nur eine Tüte Chips oder ein Sandwich.

Dieser Artikel von Philipp Kienzl ist zuerst auf ze.tt erschienen.

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