Zizoo: Wie ein Berliner Startup mal eben „den Meeresurlaub revolutionieren“ will

Ein Urlaub auf dem Boot ruft nach Abenteuer, Freiheit und Entspannung. Schade nur, dass es meistens einfach viel zu teuer ist und dann auch noch aufwändig zu organisieren. Vor fünf Jahren haben drei Freund*innen aus Wien genau dort angesetzt und Zizoo gegründet. Heute ist das Startup der Wahlberliner*innen die führende Plattform für Bootsurlaube im deutschsprachigen Raum.

Über ihre Website können Charterfirmen aus mehr als 60 Ländern Boote aller Art anbieten, die dann von Urlauber*innen direkt online gebucht werden können. Im Interview erzählt die CEO Anna Banicevic, welche Geschichte hinter Zizoo steckt und wie sie es geschafft haben, den Bootchartermarkt zu digitalisieren.

Anna, vor fünf Jahren hast du gemeinsam mit zwei Freunden die Plattform Zizoo gegründet. Wie ist die Idee entstanden?

Bevor ich Zizoo gegründet habe, habe ich sieben Jahre lang bei Google gearbeitet. Irgendwann brauchte ich etwas Neues. Dann bin ich erstmal mit meinem besten Freund segeln gegangen. Ich war früher schon viel mit den Freunden meiner Eltern segeln, aber selbst gebucht hatte ich einen Segelurlaub noch nie. Die Organisation von unserer Reise war total kompliziert. Die Website war schlecht und es gab keine Fotos vom Segelboot. Wir mussten sogar extra zur Bank gehen, um zu bezahlen. Ich war erstaunt, dass der Bootsmarkt noch gar nicht digital ist.

Wie ging es dann weiter?

Ich bin auf eine Bootsmesse in Österreich gegangen, auf der Charterfirmen ihre Geschäfte zeigen. Das hat sich für mich angefühlt wie eine Reise in die 70er Jahre. Alle hatten Anzüge an, haben Zigarren geraucht und alles auf Papier notiert. Ich war echt fasziniert, dass es noch einen Reisemarkt gibt, der noch nicht digitalisiert ist. Da ist mir dann das erste Mal die Mission gekommen.

Wir digitalisiert Zizoo den Bootsmarkt denn genau?

Zizoo hat eine Technologie, die wir Charterfirmen geben, damit sie ihr Geschäft, also ihre Boote und ihr Inventar, online bei uns verwalten können. Wie helfen ihnen, die Boote online zu stellen, damit die Kund*innen die Boote direkt auf unserer Website buchen können.

CEO und Mit-Gründerin Anna Banicevic ©zizoo

Wie habt ihr es geschafft, der Marktführer zu werden?

Nach der Bootsmesse habe ich mit meinem guten Freund Sinan geredet, der jetzt der CFO ist. Der hat mich dann seinem Freund Ivan vorgestellt, der unser CTO ist. Ivan hat eine Agentur für Software Developement in Kroatien, was perfekt für uns war. Ich habe von Wien aus gearbeitet und die Jungs aus Kroatien. Unsere Website haben wir dann in Berlin im Axel Springer Plug and Play Accelerator gelauncht. Die Zeit dort war sehr hilfreich, da wir ohne Pause daran gearbeitet haben, unsere Plattform funktionell und live zu entwickeln. Durch das Netzwerk haben wir dann auch die ersten Investor*innen kennengelernt.

Warum habt ihr eure Plattform Zizoo genannt?

Zizoo ist der Kosename von Jacques Cousteau, einem sehr berühmten Forschungsreisenden, der sein ganzes Leben lang damit verbracht hat, den Ozean zu erforschen. Sein berühmtestes Zitat ist: „A lot of people attack the sea, I make love to it.“ Das finde ich sehr süß. Cousteau war ein toller Abenteurer, der die Welt auf das Meer aufmerksam gemacht hat. Zizoo hilft den Menschen, das Meer zu erkunden, genau wie Jacques Cousteau.

Welche Challenges stellt ihr euch mit Zizoo?

Zwei verschiedene: Zum einen muss der Bootchartermarkt unsere Technologie verwenden, damit es grundsätzlich einfach und attraktiv ist, ein Boot zu buchen. Zum anderen müssen wir mehr Leute in der Welt auf Bootsurlaube aufmerksam machen. Dafür müssen wir die Preise so halten, dass sie eine gute Alternative zum Hotelurlaub darstellen.

Wie läuft der Prozess für ein Charterunternehmen bei euch genau ab?

Wir haben ein Boat Management Tool und ein Team, das die Charterunternehmen sucht. Wenn sie professionell sind und bestimmte Kriterien erfüllen, fragen wir sie an. Dann folgt der Onboarding-Prozess, in dem sie ihre Boote auf unsere Seite hochladen. Dann geht das Angebot live. Wir helfen den Charterfirmen, ihre Boote so zu vermarkten, dass sie mehr Buchungen erhalten. Außerdem digitalisieren wir auch die ganze Kommunikation zwischen den Charter*innen und den Kund*innen.

Und wie läuft der Prozess für die Kund*innen ab?

Auf unserer Website können Klient*innen in 60 verschiedenen Ländern Boote suchen und kann dann entweder direkt online buchen oder eine Anfrage senden. Es gibt Motorboote, Speedboote, Luxusyachten, Segelboote und Katamarane. Zum Boot dazu buchen kann man je nach Interesse noch Extras wie Skipper*innen, Köch*innen oder Babysitter*innen. Wir kümmern uns dann um den ganzen Prozess bis die Kund*innen am Boot einchecken.  

An welche Kund*innen richtet sich euer Angebot hauptsächlich?

Unsere Kund*innen variieren sehr, aber die typische Reisegruppe besteht aus zwei deutschen Familien, die gemeinsam Urlaub machen wollen. Meistens dann so zwischen sechs und sieben Tage für 2000 bis 3000 Euro. Wenn man das ausrechnet, ist es pro Person sehr preiswert. Aber natürlich gibt es auch Luxus bei uns: sieben Tage auf einer Yacht für mal eben 20.000 Euro.

Nicht jeder Bootsurlaub ist ja gerade nachhaltig. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für euch?

Natürlich ist uns Nachhaltigkeit sehr wichtig. Ein Key hinter unserer Mission ist, dass wir Leute auf einen nachhaltigen Urlaub schicken und ihnen damit eine Alternative für kritische Urlaubsmethoden wie Kreuzfahrten geben wollen. Wenn man den Motor nicht verwendet, dann ist Segeln ein sehr nachhaltiger Urlaub. Deswegen sind auch Segelboote und Katamarane unser Hauptgeschäft. Wir arbeiten mit Charterfirmen, die versuchen, grüner zu werden. Außerdem informieren wir unsere Klient*innen, wie sie am nachhaltigsten segeln können: Was man einpacken sollte, welche lokalen Restaurants es im Revier gibt und wie sie ihren Müll entsorgen können.

Wie wird sich Zizoo in Zukunft weiterentwickeln?

Wir werden die Technologie für die Charterfirmen vorantreiben, damit wir die Nummer Eins im Markt bleiben. Wenn wir sagen, wir wollen den Meerestourismus revolutionieren, dann meinen wir, dass wir durch die Digitalisierung mehr Menschen ermöglichen wollen, einen Segelurlaub anzutreten. Um so einen umweltfreundlichen Urlaub an mehr Leute zu bringen.


Katharina Boecker

Katharina hat Germanistik und Anthropologie in der westfälischen Provinz Münster studiert, welche sie für den Journalismus verlassen hat. Sie lebt jetzt in Berlin und sammelt dort an allen Ecken Inspirationen fürs Schreiben - und fürs Leben im Allgemeinen. Wenn sie nicht gerade nach vergessenen 80er-Hits im Internet sucht, interessiert sie sich für Politik, Popkultur und Sport.

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