Sinnloser Trend oder nützliches Gadget: Wie effektiv schützen Blaulichtfilter-Brillen unsere Augen?

Blaulichtfilter-Brillen versprechen, die Augen und Sehnerven zu schützen und so Ermüdungssymptome bei der Computerarbeit zu vermindern. Ein Bekannter hatte mir von seinen positiven Erfahrungen berichtet und mich neugierig gemacht: „Die Brille hilft während langer Screen-Sessions. Meine Augen fühlen sich nicht mehr so müde an und sind auch nicht mehr so trocken und gereizt wie vorher gegen Ende des Tages.“

Doch was ist dran an den blau-verspiegelten Brillen? Bringer oder nicht? Um den Sinn und Zweck von Blaulicht-Blocker-Brillen zu verstehen, muss man ein wenig ausholen. Was ist blaues Licht überhaupt, und warum soll man sich davor schützen?

Wie beeinflusst Licht unseren Körper?

Licht steuert unseren Biorhythmus, unsere Wach- und Schlafphasen um genau zu sein. Scheint die Sonne, so wird uns über bestimmte Hormone signalisiert: „Es ist jetzt Tag, bitte wach sein!“ Je höher der Stand der Sonne, desto höher der Blauanteil des Lichts. Bei Morgen- und Abenddämmerung nehmen die Gelb- und Rotanteile des Lichts zu. Dadurch bekommt unser Körper das Signal: „Jetzt bitte herunterfahren!“ Alles könnte so einfach sein. Wenn das künstliche blaue Licht nicht wäre.

Was ist blaues Licht?

Heutzutage gibt es neben dem natürlichen Sonnenlicht auch künstliche Lichtquellen, die 24/7 in Form von Lampen, Leuchten oder Screens bereit stehen, um uns anzuleuchten.

LED-Licht beispielsweise ist ein kaltes Licht mit einem hohen Blauanteil, das für uns so wirkt wie das Mittagslicht der Sonne. Diese künstlichen Lichtquellen können unseren Körper in die Irre führen und ihm falsche Signale geben, die nachhaltig unseren Schlafrhythmus als auch unsere Gesundheit beeinflussen.

LED-Lichtspektrum (kalt). Quelle: Lichtmikroskop.net

Ist blaues Licht gefährlich?

Per se ist blaues Licht nicht gefährlich. Viele Studien zeigen jedoch, dass hohe Dosen des blauen Lichts zu Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen und diversen Augenerkrankungen führen können. Auch ein Zusammenhang von zu viel Blaulicht mit einer verringerten Lebensdauer und einem erhöhten Krebsrisiko wird diskutiert. Langzeitstudien fehlen noch.

Durchaus bedenklich ist das, wenn man die durchschnittliche Screen Time von uns Büroheld*innen betrachtet: von 1.700 Stunden pro Jahr allein während der Arbeitszeit ist die Rede. Tendenz steigend, vor allem während der letzten Monate.

Durch die Corona-Krise ist es für uns normal geworden, über Zoom zu meeten, sich mit Freunden bei Google Hangouts auf einen Drink zu verabreden oder bis spät in die Nacht gegen die Lockdown-Langeweile zu zocken. Apps helfen uns dabei Sprachen zu lernen oder zu meditieren und auch beim Sport lassen wir uns von Coaches über YouTube zum Schwitzen bringen. Kurz: Unser Leben findet zunehmend vor einem Screen statt.

Was tun gegen blaues Licht?

Die gute Neuigkeit ist: Unterdrückt man abends und nachts bewusst das blaue Licht, so kann man seinen Tag-Nacht-Rhythmus wieder ins Gleichgewicht bringen. Hier ein paar Tipps, um sich und seinen Körper vor dem blauen Licht zu schützen:

  • Computermonitore und Smartphones auf Nachtmodus stellen oder einen Blaulichtfilter installieren: Der Blauanteil des Lichts wird dabei herausgefiltert, sodass das Bild in einem wärmeren, gelblichen Ton erscheint.
  • Vor allem abends besonders helle LED-Leuchten meiden oder so ausrichten, dass man nicht direkt hineinschauen kann. Tipp: Es gibt auch LED-Lampen mit einem wärmeren Licht zu kaufen. Deren gelblich-orange Tönung filtert blaues Licht heraus.
  • Wer abends Smartphone oder Computer benutzt, sollte mindestens eine weitere Lichtquelle im Raum anschalten, denn im Dunkeln weiten sich die Pupillen, sodass viel blaues Licht auf die Netzhaut fallen kann.
  • Abends und bei langen Screen-Sessions Blaulichtfilter-Brillen tragen.
Blaulichtfilter-Brillen schützen – wie der Name schon sagt – vor blauem Licht. Bild: Tobias Heuser

So funktionieren Blaulichtfilter-Brillen

Blaulichtfilter-Brillen haben eine spezielle Beschichtung, die das Blaulicht daran hindern, vom Auge wahrgenommen zu werden. So sollen sie beim Arbeiten oder Zocken am Computer vor Ermüdungserscheinungen der Augen schützen. Besonders hilfreich sind diese Brillen abends, nach Sonnenuntergang, um den Körper auf die bevorstehende Nachtruhe vorzubereiten. Der Körper schüttet dann vermehrt das Schlafhormon Melatonin aus, das uns müde werden lässt.

Mein Blaulichtfilter-Brillen Test

Ich mache es direkt falsch. Begeistert packe ich meine Blaulichtblocker Brille aus und setze sie mir auf die Nase, ohne die Uhrzeit zu beachten. Es ist Mitten am Nachmittag und ich dabei, einen Text zu schreiben. Innerhalb von kurzer Zeit habe ich das Gefühl, nicht mehr so „sharp“ zu sein, ein bisschen schläfriger zu werden. Klar, meine Augen denken wohl, dass es langsam Abend wird.

Schnell habe ich den Dreh raus und trage sie nur noch bei langen Screen-Sessions, wenn meine Augen müde werden, oder abends, wenn ich noch spät am Screen bin. Und tatsächlich, es funktioniert: Meine Augen fühlen sich weniger strapaziert an nach einem langen Computer-Tag.

Blaulichtfilter-Brillen: mein Fazit

Meiner Meinung nach sind Blaulicht-Blocker-Brillen ein nice-to-have Produkt: ein Trend, aber kein sinnloser Trend. Wer keine Lust hat in dieses Gadget zu investieren (mein Modell hat rund 50 Euro gekostet), für den reichen auch die Tipps gegen Blaulicht. ☝️

Ob Brille oder nicht, ich werde mich in Zukunft auf jeden Fall besser vor blauem Licht am Abend schützen. Und auch: öfter mal aufstehen, ganz weg vom Bildschirm gehen und ins Blau des Himmels schauen, anstelle des Blaus des Screens.

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