„Marken müssen Haltung zeigen!“ – Florian Wortmann von Club of Gents im Interview

Creative Director der Marke CG – Club of Gents Florian Wortmann über die gemeinsam mit Business Punk entwickelte Kollektion gegen Rassismus, die Verantwortung von Mode und die Mods als ewige Inspiration.

Florian, mit unserer gemeinsamen Kollektion setzen wir ein modisches Zeichen gegen Rassismus. Welcher Impuls steckt für euch hinter diesem sozialen Engagement?

Wir haben das ja bereits vor über einem Jahr geplant, in der Folge hat sich die politische Lage ja leider noch weiter zugespitzt: ob Thüringen-Wahl oder die Todesschüsse von Hanau. Wir wollen nun zum Start Ende April mehr denn je ein Zeichen gegen den Zeitgeist setzen.

Doch schon als die Idee eher als Kommentar zur ungut polarisierenden Flüchtlingsdebatte ihren Ursprung nahm, war uns ganz klar, dass wir als Marke Stellung gegen rechts beziehen und unserer Community mitteilen müssen, wie wir die Dinge politisch und gesellschaftlich sehen.

Die Wichtigkeit, gerade bei jungen Zielgruppen eine klare Haltung an den Tag zu legen, wird ja seit einiger Zeit von NGOs bis Marketingprofis betont. Dennoch sind politische Stellungnahmen auch immer ein Drahtseilakt. Gab es intern auch Widerspruch?

Nun sind wir generell eine Marke der schnellen Entschlüsse. Aber wir haben bei der Suche nach möglichen Partnern gemerkt, dass nicht jeder bedenkenlos mitzieht. Nicht jedes Medium war so aufgeschlossen wie ihr – und auch nicht jeder Fachhändler teilte unsere Dringlichkeit und Begeisterung für eine Kollektion gegen Rassismus.

Mit Breuninger haben wir einen sehr starken Einzelhändler an unserer Seite gefunden, aber da gab es absolut heiße Diskussionen seitens Vertrieb und Retail.

Besteht das Rezept also darin, weniger Bedenken zu haben?

Ich finde, dass Bedenken und Angst vor negativem Feedback uns weder als Marke noch als Gesellschaft weiterbringen. Wir müssen uns viel mehr endlich aus der Deckung trauen, mit Mut auch zum möglichen Risiko.

Klar, man macht sich mit jedem Engagement immer auch angreifbar, aber wäre dies das einzige Argument, dann hätte es weder die Frauenbewegung gegeben noch den Kampf um gleiche Rechte der LGBTQ-Community oder, wenn man noch weiter zurückblicken will, die Abschaffung der Sklaverei in den USA. Wer wartet, dass es jemand anderer macht, spielt zerstörerischen Kräften in die Hände!

Jeder Tag Casual Friday: Business Punk freut sich über die Koop mit Club of Gents

Politische Botschaften haben in der Mode eine lange Tradition, man denke nur an die Punk-Designs von Vivienne Westwood oder T-Shirt-Slogans wie „We Should All Be Feminists“ bei Dior. Warum ist das in der Männermode noch eher Neuland?

Mein Opa hat mal über unsere Branche gesagt: „Jung, wenn draußen irgendwann alle nackt herumlaufen, dann hast du keinen Arbeitsplatz mehr.“ Das macht salopp deutlich, wie groß die Bedeutung unserer Produkte und der darauf liegenden Aufmerksamkeit ist.

Die Mode hat ein großes Publikum, und wer dieses Glück besitzt, der hat eine extrem hohe Verantwortung, damit positiv, innovativ und konstruktiv zu Debatten beizutragen und auch auf Missstände und Fehlentwicklungen hinzuweisen.

Die Outfits sind mit ihrer Message mal plakativ, mal sehr dezent mit den Appellen. Was sind deine persönlichen Highlights der Capsule-Collection?

Definitiv das Motto-T-Shirt, zumal es das erste Mal ist, das wir als Männerlabel ein Stück so entworfen haben, dass es ausdrücklich auch von Frauen getragen werden kann. Darauf haben wir beim Schnitt explizit geachtet. Zum Casual Friday ist das Halbarmhemd mit den Streifen perfekt.

Erzähl uns mehr darüber, wen ihr im Designprozess vor euch seht.

Wir haben uns Britpop auf die Inspirationsfahne geschrieben. Da schaut man natürlich gern auf eine Legende wie Paul Weller von The Jam. Er als ewiger Mod und übrigens auch Modemacher leitet uns ein wenig.

Mods waren Jungs aus der Arbeiterklasse, die auf Jeans keinen Bock mehr hatten und stattdessen ihren letzten Penny zum Maßschneider trugen, um sich italienisch angehauchte Anzüge machen zu lassen. Die trugen sie auf ihrer Vespa und den Parka darüber nur, um den feinen Zwirn vor Spritzwasser zu schützen. So entstand der ikonische Look.

Taffes Leben trifft la dolce vita, mit diesem Mindset schauen wir auf jede neue Kollektion.

Hast du einen Lieblingsmoment aus der Fashion-Geschichte, wo ein Designer den Laufsteg für Botschaften genutzt hat?

Definitiv die Unisex-Kollektion von Jean Paul Gaultier aus dem Jahr 2006, wo er das Thema als einer der ersten namhaften Designer ganz radikal besetzt hat. Das hieß dann Gaultier². Mode wurde zum Kommentar zur Zeit, und zwar nicht auf eine rein künstlerische Weise, was ich etwas schwierig und weltfremd finde, sondern ganz tragbar.

Als junges Label einer etablierten Marke, wie wild darf Club of Gents werden, ehe Erklärungsbedarf droht?

Natürlich gibt es Geschäftsführer und Gesellschafter über uns, aber momentan haben wir das Glück und Privileg, dass wir unsere eigenen Grenzen setzen.


Business Punk Redaktion

Hier schreibt die Business-Punk-Redaktion. Mal er, mal sie, mal gar keiner. Ach und kauft unser Heft! Danke.

Zum Autor

Das können wir Dir auch empfehlen

placeholder
placeholder
placeholder